Hoffnung für die Hunde-Ranch - Presse - Stefan Kirchner - Hunderanch Rodgau

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Hoffnung für die Hunde-Ranch

Herausgegeben von Frank Sommer in Presse · 18/3/2014 10:47:00
Rund 30 Hundeleinen hängen am Eingangstor. Sie gehören den Gästen in Stefan Kirchners Hundetagesstätte. Die Vierbeiner toben über den rund 2000 Quadratmeter großen Auslauf. Es sind Große und Kleine, Rassehunde und Mischlinge. Schnell finden sich Gruppen: Einige buddeln, andere liegen in der Sonne und beobachten das Treiben. „Ein Pfötchen-Hotel, wo die Tiere vermenschlicht werden, ist das hier nicht: Bei mir dürfen die Hunde auch Hunde sein“, sagt Kirchner. Probleme, sich die Namen seiner Schützlinge zu merken, hat er nicht. „Eher mit den Namen der Besitzer“, verrät der gebürtige Österreicher schmunzelnd.

Vor zwei Jahren hat er das Gelände nahe des Opel-Areals in Dudenhofen gemietet. In das Grundstück, das zuvor ein berüchtigtes Vereinsheim der Hells Angels beherbergt habe, haben er und seine Frau Ilka rund 100.000 Euro investiert. „Der Zustand war grauenvoll, das Haus musste entkernt werden, überall lag Müll und Schrott herum.“ Fast vier Tonnen Metallschrott mussten sie wegräumen.

Altlasten ganz anderer Art traten dabei auch auf: Es geht um eine fehlende Baugenehmigung. Zeitweise mussten Kirchner und seine Kunden fürchten, dass die Ranch geschlossen wird „1965 hat Bürgermeister Ludwig Kratz das Gelände vom Wochenendhaus zum Dauerwohnsitz umgewidmet, die Besitzerin hatte hier eine Hundezucht eröffnet.“ Seitdem wohnte stets jemand auf dem Gelände, während der Zeit als Vereinsheim bestand sogar eine gewerbliche Ausschanklizenz.

„Als wir das Gelände gemietet haben, sicherte uns der Vermieter zu, dass es zur Gewerbenutzung und als Dauerwohnsitz zugelassen ist, sonst hätten wir gar nicht so viel Geld hineingesteckt – nur findet er die Papiere nicht mehr.“ Ob sie eine Hundetagesstätte betreiben und auch dort wohnen dürften, stand auf der Kippe.

Inzwischen haben die Kirchners Hoffnung, dass es zu einer gütlichen Einigung mit den Behörden kommt. „Für uns ist wichtig, dass die Stadt hinter uns steht, wir erhalten auch viel Unterstützung durch unsere Kunden.“ Auch mit der Unteren Naturschutzbehörde stehen sie in Kontakt, da das Gelände im Vogelschutzgebiet liegt. „Wir wollen mit den Behörden zusammenarbeiten, Naturschutz ist uns wichtig. Deshalb haben wir auch Nistkästen aufgehängt.“

Für einige seiner Kunden war die Hundebetreuung des gebürtigen Österreichers sogar der Grund, nach Rodgau zu ziehen. „Ohne die Betreuungsmöglichkeit hätte ich überhaupt keinen Hund“, sagt Andreas Schöffler, der seinen Jack-Russel-Mix Paul abholt. „Tierhaltung und Arbeit lassen sich für mich nur durch die Hunde-Ranch vereinbaren – dass der Hund den halben Tag allein zuhause sitzt, ist keine Option.“

Kirchner hat noch einiges vor mit dem Gelände: Ein Quarantäne-Bereich für Fundhunde soll entstehen, ebenso ein Bereich für Hunde, die erst sozialisiert werden müssen.

Die Hundebegeisterung liegt in der Familie: Der Großvater züchtete Tiroler Bracken, der Onkel bildete Lawinensuchhunde aus. Kirchner, der zunächst Koch gelernt hat, studierte Tierpsychologie mit Schwerpunkt Hund. „Bis ich 32 war, habe ich gearbeitet, um zu überleben. Nun mache ich, was mir Freude bereitet.“ Die Hundebetreuung gehört dazu, aber auch das Training.

Denn viele Hunde hätten durch die Einzelhaltung den Kontakt zu Artgenossen verloren und reagierten daher unsicher. Dobermannhündin Lara etwa. „Die wusste nichts mit anderen Hunden anzufangen und wurde früher immer in die Schnauze gebissen. Hier im Rudel hat sie nun ihren Platz gefunden und läuft mit.“ Lara blickt kurz auf, als Kirchner ihren Namen nennt, dann tollt sie mit Bulldogge Lia durchs Gelände. Erfolgserlebnisse dieser Art seien das schönste an der Arbeit, sagt Kirchner.


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